O Mensch, bewein dein Sünde gross

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Author: Sebald Heyden.

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Texts and Translations

German.png German text

1.  O Mensch, bewein’ dein’ Sünde groß,
Darum Christus sein’s Vaters Schoß
Äußert und kam auf Erden.
Von einer Jungfrau zart und rein
Für uns er hier geboren ward,
Er wollt’ der Mittler werden.
Den Todten er das Leben gab,
Und legt’ dabei all Krankheit ab,
Bis sich die Zeit herdrange
Daß er für uns geopfert würd’
Trug’ unsrer Sünden schwere Bürd’
Wohl an dem Kreuze lange.

2./23.  So lasst uns nun ihm dankbar sein,
Dass er für uns litt solche Pein,
Nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde feind,
Weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach uns streben,
Die Lieb erzeigen jedermann,
Die Christus hat an uns getan
Mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht‘ das recht,
Eie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
Tu dich davor bewahren.

Additional verses from the early baroque era, expanding the chorale into a complete passion narrative

2.  Denn als das Fest der Juden kam,
Jesus sein' Jünger zu sich nahm,
Gar bald tät er ihn' sagen:
Des Menschen Sohn verraten wird,
Ans Kreuz geschlagen und ermordt,
Darauf die Juden dachten.
In Simons Haus eine Frau kam
Viel köstlich Wasser zu ihr nahm,
Täts übern Herren gießen,
Etlich der Jünger murren bald,
Jesus die Fraue gar nicht schalt,
Das tät Judas verdrießen.

3.  Zum Hohenpriestern er sich fügt,
Den Herren zu verraten lügt,
Nahm dreißig Pfen'ng behende.
Bald Jesus mit sein'n Jüngern kam,
Und aß mit ihn'n das Osterlamm,
Und tät dasselbig enden.
Er setzt uns auf ein Testament,
Sein'n Tod zu b'dencken bis ans End,
Und wusch den Jüngrn die Füße.
Er bildt ihn'n für die Liebe schon,
Und wie sie ihn würden verlahn,
Mit Trost tät ers beschließen.

4.  Danach er an den Ölberg trat,
In Furcht und Zittern er da bat,
Ach betet, und tut wachen.
Ein'n Steinwurf er bald fürder ging,
Zu seinem Vater auch anfing:
O Vater tu hier machen,
Dass dieser Kelch jetzt geh von mir,
Denn alle Ding sind möglich dir,
Doch es gescheh' dein Wille.
Solchs er zum dritten male bat,
So oft auch zu sein'n Jüngern trat,
Sie schliefen all in Stille.

5.  Er sprach: Schlaft ihr in meinem Leid,
Es ist g'nug, die Stund ist bereit,
Des Menschen Sohn wird geben.
In'd Händ der Sünder, stehet auf,
Der mich verrät, der lauert drauf,
Nun betet ihr daneben,
Als er noch red't, sieh' Judas kam,
Ein große Schar er mit sich nahm,
Mit Spießen und mit Stangen,
Ein Zeichen der Verräter gab,
Welchen ich küss, merkt eben ab,
Den sollt ihr weißlich fangen.

6.  Als Jesus nun wusst alle Ding,
Gar bald er ihn'n entgegen ging,
Und sprach zu ihn'n mit Güte:
Wen sucht ihr hie mit solcher G'walt?
Jesus, sie sprachen, und fielen bald
Zurück in ihrem Wüten.
Judas gab ihm den Kuss behend,
Der grausam Hauf' auf Jesus rennt,
Und fingen ihn mit Grimmen.
Petrus sein Schwert auszücket recht,
Hieb ab ein Ohr des Bischofs Knecht,
Jesus ab'r antwort ihme:

7.  Ficht nicht, steck ein das Schwerte dein,
Soll ich den Kelch nicht trinken mein?
Den Knecht macht er gesunde.
Der Hauf Jesus zu Hannas führt,
Und auch zu Kaiphas da rührt
Gefangen und gebunden.
Petrus folgt in den Hof hinein,
Durch den bekannten Jünger sein,
Verleugnt dreimal den Herren,
Der Bischof fraget Jesus drat,
Sie suchten falsche Zeugn und Rat,
Ihn zu verdammen führen.

8.  Christus antwortet ihnen nicht,
Der Hohepriester zu ihm spricht:
Was tust du dazu sagen?
Ich b'schwör dich bei dem Gotte mein,
Sag, bist du Christ, der Sohne sein?
Jesus antwort' ohn Zagen:
Ich bin's, und sag zu dieser Zeit
Werd't ihr des Menschen Sohne weit
In Wolken sehen kommen,
Sitzen zur Rechten Gottes fein,
Der Bischof zerreiß das Kleid sein,
Er sprach, ihr habt vernommen.

9.  Dass er hat g'lästert Gott so sehr,
Er sprach, merkt auf, was wolln wir mehr?
Sie sprachen, er soll sterben,
Und speiten ihm ins Angesicht,
Viel Backenstreich auf ihn gericht't
Mit Lästerworten herbe.
Verdeckten ihm das Antlitz sein,
Und schlugen ihn mit Fäußten drein,
Sagten: wer hat dich g'schlagen?
Am Morgen früh der Haufe gar,
Fragten Jesus mit mancher Gefahr,
Täten mit ihm bald jagen.

10.  Und gaben ihn Pilatus b'hend,
Als Judas sah, wo 'naus es lend,
Tät ihn die Sach gereuen,
Das Geld er bald den Priestern gab,
Und sprach: Ich sehr gesündigt hab,
Erkannte sein Untreue,
Erhängte sich, und schnellt entzwei.
Die Hohenpriester beiderlei
Ratschlagten um das Gelde,
Eins Töpfers Acker kauften sie,
Den Pilgern zum Begräbnis hie,
Als auch der Prophet meldte.

11.  Als Jesus vor Pilatus stund,
Erhob sich große Klag' ohn' Grund,
Täten ihn hoch verklagen,
Dem Kaiser hat er widerton,
Und nennet sich ein'n Gottessohn,
Verführt das Volk all Tage,
Pilatus ihn viel fragen tät,
Jesus aber kein Wort nicht red't.
Das nahm Pilatus wunder,
Er schickt ihn zu Herodes hin,
Herodes freuet sich auf ihn,
Meint was zu sehen b'sonder.

12.  Als Jesus nun kein Antwort gab,
Verachtet ihn Herodes drob,
Schickt ihn Pilatus wieder.
Pilatus b'ruft die Juden, sprach:
Den Menschen auch Herodes sah,
Und achtet ihn für bieder.
Ein G'wohnheit ihr allweg gehabt,
Danach ich einen G'fangnen lasst,
Jesus will ich losgeben,
Sie schrien all mit lauer Stimm',
Jesus hin an das Kreuze nimm,
Barrabas lass uns leben.

13.  Pilatus Jesus geißeln ließ,
Unter die Schar ins Richthaus stieß
Jesus ein Purpur truge,
Aus Dornen flochten sie ein Kron,
Die musste durch sein Haupte gehn,
Mit eim Rohr sie ihn schlugen,
Und grüßten ihn ein' König mit Spott,
Speiten auch in sein Angesicht rot,
Sein heilges Haupt auch schlugen,
Pilatus sprach, seht an den Mann,
An dem ich kein Args finden kann,
Hab ihn nicht strafens Fuge.

14.  Sie schrien all mit lauter Stimm',
Kreuzige, kreuzige, ihn hin nimm,
Sonst bist nicht d's Kaisers Freunde,
Als nun Pilatus hört das Wort,
Setzt er sich an des Richters Ort,
Wusch'd' Händ, wollt sein ohn Sünde.
Gab ihn'n den Mörder Barabam,
Bald er Jesum zu kreuz'gen nahm,
Nach ihrem falschen Willen.
Sein Kleider sie antäten ihm,
Und führten ihn mit großer Stimm,
das Kreuz trug er mit stillen.

15.  Als sie nun gingen aus mit ihm,
Zwung'n sie Simon in ihrem Sinn,
Dass er ihm's Kreuz nachtrüge,
Viel Volks und Frauen weinten da,
Bald Jesus sprach, als er sie sah,
Tät sich zu ihnen biegen.
Und sprach, weinet nicht über mich,
Ihr Töcht'r Zion beweine sich,
Ein jedes um sein Kinder,
Ihr werd noch sprechen selig die,
Die unfruchtbar und säugen sie,
Vor Furcht und Qual der Sünde.

16.  Sie kamen bald zur Schädelstätt,
Zwei Übeltäter man da hätt,
Die man ans Kreuz auch schluge.
Zur linken und zur rechten Hand,
Wie es die Schrift hat längst bekannt,
Jesus sprach bald mit Fuge:
Verzeih ihn'n Vater diese Tat,
Keiner weiß was er hier 'tan hat,
Pilatus tät auch schreiben
Hebräisch, griechisch und Latein:
Jesus ein Köng der Juden fein,
Das tät die Priest'r betrüben.

17.  Als nun Jesus gekreuzigt war,
Sein Kleider sie bald nahmen zwar,
Und spielten drüb'r behende,
Auch Jesus da sein Mutter sah,
Dazu Johannes bald er sprach:
Weib, diesen ich dir sende,
Der ist dein Sohn, zum Jünger spricht,
Das ist dein Mutter, lass sie nicht,
Bald er sie zu sich nahme,
Die Hohenpriester trieben Spott,
Auch andre viel lästerten Gott,
Bis dass er zu Gott kame.

18.  Bist du mein Gottes lieber Sohn,
So steig vom Kreuz, hilf dir davon,
Das täten auch die Schächer.
Doch einer zu dem andern kehrt,
Jesus Unschuld er ihn da lehrt,
Sprach, Jesus g'denk mein nachher.
So du kommst in das Reiche dein,
Er sprach, heut wirst du bei mir sein,
Wohl in dem Paradeise,
Ein Finst'rnis war zur sechsten Stund,
Um neune Jesus schrie von Grund,
Mit lauter Stimm' und Weise

19.  Mein Gott, mein Gott, wie lässt du mich,
In Spott brachten sie bald Essig,
Und gaben ihm zu trinken.
Als Jesus den versuchet hätt,
Sprach er: Vollbracht ist, das ich tät,
Sein Haupt ließ er da sinken.
O Vater in die Hände dein,
Befehle ich den Geiste mein,
Schrie er mit lauter Stimme,
Gab auf sein'n Geist, der Vorhang b'hend
Im Tempel riss entzwei zu End,
Die Felsen wichen ihme.

20.  Das Erdreich auch erzittert war,
Die Gräber wurden offenbar,
Der Hauptmann und sein G'sinde
Sprachen: Fürwahr der fromme was,
Und Gottes Sohn, das zeuget das
Schlugen ihr Herz geschwinde.
Als sie den Schächern brach'n die Bein,
War Jesus tot, brachen ihm kein.
Und stachen auf sein Seiten.
Es rann daraus Wasser und Blut,
Der's hat gesehen, zeuget's gut,
Die Schrift zeigets auch weiter.

21.  Nachdem als nun der Abend kam,
Joseph der fromme Jesus nahm
Vom Kreuze zu begraben.
Dazu auch Nikodemus kam,
Viel Öles und auch Myrrhen nahm,
Damit sie Jesus haben
Gewickelt in ein Leinwand rein,
Da war ein Grab in einen Stein,
In einem Felsen neue,
Darein sie Jesus legten schon,
Täten ein'n Stein darüberton,
Und gingen hin mit Reue.

22.  Die Juden führten noch ein Klag,
Verhütten's Grab am dritten Tag
Jesus stand auf mit Gwalte.
Auf dass er uns ja frömmer mächt,
Und mit ihm in sein Reiche brächt
Aus der sündlich'n Gestalte.
Darum wir sollen fröhlich sein,
Dass unser Seligmacher fein
Christus hat überwunden,
Für uns der Sünden große Not,
Dazu die Höllen und den Tod,
Und auch den Teufel 'bunden.

English.png English translation

1  O man, thy grievous sin bemoan,
For which Christ left His Father's throne,
From highest heaven descending.
Of Virgin pure and undefiled
He here was born, our Saviour mild,
For sin to make atonement.

2  The dead He raised to life again.
The sick He freed from grief and pain.
Until the time appointed
That He for us should give His Blood,
Should bear our sins' o'erwhelming load,
The shameful Cross enduring.

Translation by Catherine Winkworth

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