Herr, du erforschst mein Sinne, SWV 244 (Heinrich Schütz)

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  • (Posted 2020-07-13)  CPDL #59728: 
1628 Version: (MS) (OS)   Score information: A4, 2 pages, 55 kB   
1661 Version: (MS) (OS)       Score information: A4, 2 pages, 64 kB   
Editor: Gerd Eichler (submitted 2020-07-13).   Copyright: CPDL
Edition notes: Transcribed from original prints. Continuous barlines are in the original score. Original Note values retained, clefs modernized. MS = modernized spelling, OS = original spelling.
  • (Posted 2017-10-05)  CPDL #46611:         
Editor: James Gibb (submitted 2017-10-05).   Score information: A4, 1 page, 35 kB   Copyright: CPDL
Edition notes: Transcribed from the edition on IMSLP.

General Information

Title: Herr,du erforschst mein Sinne, SWV 244
Composer: Heinrich Schütz
Lyricist: Cornelius Becker

Number of voices: 4vv   Voicing: SATB
Genre: SacredChorale

Language: German
Instruments: A cappella

First published: 1628 in Psalmen Davids, Op. 5. Revised by Schütz in 1661, no. 139
  2nd published: 1894 in Heinrich Schütz: Sämtliche Werke, Volume 16, no. 139
  3rd published: 1957 in Neue Schütz-Ausgabe, Volume 6, p. 143
Description: Psalm 139 from the Becker Psalter.

External websites:

Original text and translations

Original text and translations may be found at Psalm 139.

German.png German text

Modernized spelling:
1  Herr, du erforschst mein Sinne
Und kennst mein Herz von Grund,
Was ich tu und beginne,
Weißt du alles zur Stund,
Ob ich sitz oder stehe,
Was durch mein Gdanken gehet,
Das ist dir alles kund.

2  Wo ich mich nur berege,
Da bist du, Herr, um mich
Und siehst all meine Wege,
Dir ist verborgen nichts,
Das Wort in meinem Munde
Das hast du schon erkundet,
Eh meine Zung es spricht.

3  Was ich nah oder ferne
Zu tun mir nehme für,
Das schaffst du, Gott, mein Herre,
Du hältst dein Hand ob mir,
Ich kann mich nicht drein finden,
Die Weisheit zu ergründen
Ist mir zu hoch und schwer.

4  Wo soll ich denn hingehen,
Dass ich mög sicher sein
Vor deim Geist zu bestehen,
Ich weiß nicht aus noch ein,
Ich mag mich fast bemühen
Und werd doch nicht entfliehen
Dem Angesichte dein.

5  Wollt ich gen Himmel fahren,
Daselbst zu sichern mich,
So weiß ich g'wiss fürwahre,
Dass ich da finde dich,
Macht ich mir denn mein Bette,
Mich in der Höll zu retten,
So bist du auch um mich.

6  Und ob ich Flügel hätte
Und flöh von dannen fern,
Gleichwie die Morgenröte
An das äußerste Meer,
Wirst du mich doch ausspüren
Und deine Hand mich führen,
Mich hält dein Rechte schwer.

7  Wollt ich denn auch wohl sagen:
Finsternis decke mich,
So muss doch wie am Tage
Die Nacht um mich sein licht,
Wann's auch stockfinster wäre,
Wird's doch hell leuchten sehre
Vor deinem Angesicht.

8  Finsternis vor dir leuchtet,
Die Nacht scheint wie der Tag,
Niemand kann sich verschleichen,
Nichts heimlich bleiben mag,
Du weißt all mein Begierde,
Dein Hand hat mich formieret,
Da ich im Finstern lag.


 

9  Dafür will ich dich preisen,
Dass du mich hast gemacht
So wunderbarer Weise,
Wer dein Tun nimmt in acht,
Findt eitel Wunderwerke,
Voller Kraft, Ehr und Stärke,
Mein Seel solchs wohl betracht.

10  Dir waren unverborgen
Mein Adern und Gebein,
Da ich noch lag verborgen
Im Leib der Mutter mein,
Als ich gebildt sollt werden,
Verborgen in der Erden,
Sahn mich die Augen dein.

11  Eh ich noch war bereitet,
War ich dir schon bekannt,
All meine Tag und Zeiten
Hast du zuvor genannt
Und auf dein Buch notieret,
Mit Fleiß sie all summieret,
Eh sie kamen zur Hand.

12  Sehr köstlich übermaßen
Sind die Gedanken dein,
Vernunft kann sie nicht fassen,
Mehr denn des Sands ihr sein;
So oft ich nur erwache,
Mit Fleiß ich sie betrachte,
Mein Herz will bei dir sein.

13  Ach dass du sterben ließest
Die Gottlosn ingemein,
Und von mir weichen müssten
Die, so blutgierig sein,
Die sich aus Stolz erheben,
Von dir lästerlich reden
Aus lauter Trutz allein.

14  Ich hass von Grund meins Herzen
Alle, die hassen dich,
Es bringt mir große Schmerzen,
Dass sie so trotziglich
Sich wider dich anlassen,
Recht ernstlich ich sie hasse,
Drum sie anfeinden mich.

15  Erforsch, Herr, mein Gedanken,
Prüf und erfahr mein Herz,
Ob ich auch von dir wanke
In Trübsal, Leid und Schmerz,
Wär ich auf bösem Wege,
So leit mich deine Stege,
Ewig bewahr mein Herz.

German.png German text

Original spelling:
1  Herr/ du erforſchſt mein Sinne
Und kennſt mein Hertz von Grund/
Was ich tu und beginne/
Weißt du alles zur Stund/
Ob ich ſitz oder ſtehe/
Was durch mein Gdanken gehet/
Das iſt dir alles kund.

2  Wo ich mich nur berege/
Da biſtu HErr umb mich
Und ſiehſt all meine Wege/
Dir iſt verborgen nichts/
Das Wort in meinem Munde
Das haſtu ſchon erkundet/
Eh meine Zung es ſpricht.

3  Was ich nah oder ferne
Zu thun mir neme für/
Das ſchaffſtu Gott mein HErre/
Du heltſt dein Hand ob mir/
Ich kan mich nicht drein finden/
Die Weißheit zu ergründen
Iſt mir zu hoch und ſchwer.

4  Wo ſol ich denn hingehen/
Daß ich mög ſicher ſeyn
Für deim Geiſt zu beſtehen/
Ich weiß nicht auß noch ein/
Ich mag mich faſt bemühen
Und werd doch nicht entfliehen
Dem Angeſichte dein.

5  Wolt ich gen Himmel fahren/
Daſelbſt zu ſichern mich/
So weiß ich gwiß fürwahre/
Daß ich dar finde dich/
Macht ich mir denn mein Bette/
Mich in der Hell zu retten/
So biſtu auch umb mich.

6  Und ob ich Flügel hette
Und flöh von dannen fern/
Gleichwie die Morgenröte
An das euſſerſte Meer/
Wirſtu mich doch außſpüren
Und deine Hand mich führen/
Mich helt dein Rechte ſchwer.

7  Wolt ich denn auch wohl ſagen:
Finſternis+ decke mich/
So muß doch wie am Tage
Die Nacht umb mich ſeyn liecht/
Wann's auch ſtockfinſter were/
Wird's doch hell leuchten ſehre
Für deinem Angeſicht.

8  Finſternis für dir leuchtet/
Die Nacht ſcheint wie der Tag/
Niemand kan ſich verſchleichen/
Nichts heimlich bleiben mag/
Du weiſt all mein Begierde/
Dein Hand hat mich formieret/
Da ich im Finſtern lag.


 

9  Dafür will ich dich preiſen/
Daß du mich haſt gemacht
So wunderbarer Weiſe/
Wer dein Thun nimt in acht/
Find eitel Wunderwercke/
Voller Krafft/ Ehr und Stercke/
Mein Seel ſolchs wol betracht.

10  Dir waren unverborgen
Mein Adern und Gebein/
Da ich noch lag verborgen
Im Leib der Mutter mein/
Als ich gebild ſolt werden/
Verborgen in der Erden/
Sahn mich die Augen dein.

11  Eh ich noch war bereitet/
War ich dir ſchon bekant/
All meine Tag und Zeiten
Haſtu zuvor genannt
Und auff dein Buch notiret/
Mit Fleiß ſie all ſummieret/
Eh ſie kamen zur Hand.

12  Sehr köſtlich ubermaſſen
Seynd die Gedanken dein/
Vernunfft kan ſie nicht faſſen/
Mehr denn des Sands ihr ſeyn/
So offt ich nur erwache/
Mit Fleiß ich ſie betrachte/
Mein Hertz wil bey dir ſein.

13  Ach daß du ſterben lieſſeſt
Die Gottloſn ingemein/
Und von mir weichen müſten
Die/ ſo blutgirig ſein/
Die ſich aus Stoltz erheben/
Von dir leſterlich reden
Aus lauter Trutz allein.

14  Ich haß von Grund meins Hertzen
Alle/ die haſſen dich/
Es bringt mir groſſe Schmertzen/
Daß ſie ſo trotziglich
Sich wider dich anlaſſen/
Recht ernſtlich ich ſie haſſe/
Drumb ſie anfeinden mich.

15  Erforſch HErr mein Gedancken/
Prüff und erfahr mein Hertz/
Ob ich auch von dir wancke
In Trübſal/ Leid und Schmertz/
Wer ich auff böſem Wege/
So leit mich deine Stege/
Ewig bewahr mein Hertz.